Interview

Auszug aus einem Interview von Frank Merländer, Unternehmerberater aus Berlin mit Frau Rechtsanwältin Christina Linke

F.M.:    Eine Anwältin und das Thema MUT - was bewegt Sie zu diesem Thema?

Christina Linke: ich habe während meiner Tätigkeit als Rechtsanwältin, die sich auf Arbeitsrecht spezialisiert hat, immer wieder erlebt, wie unglücklich die meisten Menschen in ihrem Beruf sind. Viele kommen nach über zwanzig Jahren Berufstätigkeit  zu mir, wenn sie eine Kündigung bekommen haben und sind zunächst nur völlig entsetzt über ihre Kündigung. Dabei haben sie ihre Arbeit überhaupt nicht geliebt. Vermutlich waren sie auch nicht wirklich gut in ihrem Job, den sie nicht gemocht haben. Im Laufe der Zeit verändert sich dann meist die Haltung zu dieser Kündigung, denn die meisten Menschen orientieren sich dann noch einmal völlig neu und entdecken, dass Arbeit auch Spaß machen kann. In den meisten Fällen verbessern sich die Menschen: Berufung statt Beruf. Motto: Hurra - ich bin gekündigt. Doch zu dieser Erkenntnis gehört eine Menge MUT...

F.M.:    Wollen Sie ernsthaft behaupten, dass für die Betroffenen die Kündigung ein Glücksfall ist?

Christina Linke: „ja, genau davon bin ich zutiefst überzeugt. Ich behaupte nicht, dass dies für alle Menschen zutrifft. Natürlich gibt es Ausnahmen. Aber aus meiner langjährigen Erfahrung als Rechtsanwältin führt eine Kündigung für  den Großteil der Betroffenen tatsächlich zu einer Verbesserung. Im Übrigen führt es auch zu einer Verbesserung nicht nur für die Unternehmen, die einen nicht engagierten Mitarbeiter loswerden, sondern übrigens auch für die Kollegen, die dort arbeiten. Denn die nicht engagierten Mitarbeiter belasten die Kollegen unmittelbar und mittelbar, indem sie sie mit deren Mehrarbeit verursachen und das Betriebsklima vergiften.“

F.M.:    Gibt es noch andere Wege außer einer Kündigung?

Christina Linke: Natürlich: ich möchte den Menschen MUT machen, diese Entwicklung nicht passiv zu erfahren, sondern schon vorher aktiv zu werden. Man muss seine Kündigung nicht abwarten. Viel besser ist es, sich vorher zu bewegen und sich einen Beruf zu suchen, der einen begeistert. Oder zumindest eine andere Stelle, wenn man in dem Unternehmen unglücklich ist. Es ist eine Sauerei, wenn man über Jahre anstelle von konzentrierter Arbeit nur und ausschließlich konzentriert Moorhühner schießt. Doch zu einer freiwilligen Veränderung gehört auch wiederum sehr viel MUT, denn wir alle verlassen unsere Komfortzone nur sehr ungern. Habe ich erst einmal 15 Jahre in demselben Unternehmen auf der derselben Position gearbeitet, ist die Bereitschaft, etwas zu verändern sehr gering, auch wenn ich jede Woche ab Montag morgen die Stunden bis Freitag Mittag abzähle. Es gibt etliche Mitarbeiter, die eine Strichliste bis zum Renteneintritt haben.“

F.M.:    Nach der jährlichen Studie von Gallup  sind nur 67Prozent bereit, immerhin Dienst nach Vorschrift zu leisten. Nur 16 Prozent arbeiten wirklich engagiert. Und 17 Prozent haben innerlich gekündigt, das heißt, dass sie den Unternehmenserfolg aktiv behindern. steht es wirklich so schlecht um die Arbeitsmoral in deutschen Unternehmen?

Christina Linke: „ein klares JA! Für mich ist Gallup nur die Spitze des Eisberges. Aus meiner Einschätzung IST es noch viel schlimmer, als die Zahlen von Gallup es vermuten lassen. Schauen Sie doch einmal aus Ihrer eigenen Sicht als Kunde: wann haben Sie als Kunde einen wirklich exzellenten Service bekommen? Einen Service, wo Sie hinterher gesagt haben: Wow, das war richtig klasse, da habe ich mich als Kunde wohl gefühlt. Das ist so selten. Ich selbst habe heute morgen versucht den Kundenservice bei eplus zu erreichen. Beim ersten Mal flog ich nach 6 Minuten unvermittelt aus der Warteschleife, beim zweiten Versuch habe ich nach 23 Minuten aufgegeben. Letzte Woche war ich mit der Bahn unterwegs und ich fragte die Zugbegleiterin nach meinem Anschlusszug in Hannover. Ich bekam als Antwort, dass es keine Verspätung gäbe, sie müsse den Zug nicht anmelden, ich dürfte sie allenfalls höflich darum bitten. Sie weigerte sich, mir ihren Namen zu geben. Natürlich hatte der Zug in Hannover Verspätung, mein Anschluss war nicht angemeldet und ich habe gemeinsam mit etlichen weiteren Reisenden den Anschluss verpasst. Das ist ein Verhalten, das kein Arbeitgeber tolerieren sollte.“

F.M.:    Was raten Sie den Unternehmen, um die Motivation ihrer Mitarbeiter zur Arbeit zu verbessern?

Christina Linke: „als erstes würde ich einen anderen Auswahlprozess bei dem Einstellungsverfahren neuer Mitarbeiter gehen. Es gibt diesen alten Personalerspruch: " man stellt ein wegen der hard skills (Fachkenntnisse) und entlässt wegen der Soft skills." Das deckt sich absolut mit meinen Erfahrungen als Rechtsanwältin. Die ganz überwiegenden Kündigungsgründe liegen in dem Bereich der soft skills: Höflichkeit, Ehrlichkeit, Anstand. Und natürlich die Liebe zu dem Beruf. Leuchten die Augen des Bewerbers? Deshalb rate ich Unternehmern dazu, auf diese vermeintlich alten Tugenden stärker zu achten als auf Fachkenntnisse, Abschlüsse und Zeugnisse.“

F.M.:    Und was macht man mit der Belegschaft, die schon jahrelang dort ist und der es an Motivation mangelt?

Christina Linke: „danke für diese Frage! Als erstes schaue ich mir die Führungskräfte an. Ich erwarte von Führungskräften, dass sie als erstes einmal ihren Mitarbeitern zuhören. Das ist eine Kernkompetenz, die ich schmerzlich vermisse bei Führungskräften. Bei dieser Gelegenheit wird die Führungskraft viel darüber erfahren, was in seinem Verantwortungsbereich schlecht Aber auch gut läuft und was man wie verbessern kann. Zweitens rate ich den Unternehmern, den Mitarbeitern  den Sinn ihrer Arbeit zu vermitteln. Dies geht am einfachsten, indem man sie in die wahren Ziele des Unternehmens einweiht. Die meisten Mitarbeiter kennen die eigenen Ziele des Unternehmens nicht. Drittens rate ich zu mehr Freiräumen. Vereinfachte Arbeitszeitmodelle, Homeoffice anstelle von Stechuhren. Mehr finanzielle Spielräume zum Beispiel bei Beschwerden. Mehr Mitsprache und Entscheidungskompetenz bei Abschaffungen. Mehr Beachtung für Verbesserungsvorschläge. Auch das erfordert wieder MUT, denn wir Deutsche haben einen Sicherheitswahn  und lieben es zu kontrollieren.“

F.M.:    Welchen Weg sind Sie selbst gegangen?

Christina Linke: „Ich selbst habe aus den schlechtesten Gründen Jura studiert, die man sich denken kann. Ich wusste nichts Besseres und hatte gehört, dass man sich mit Jura noch alle Wege offen hält. Was für eine denkbar schlechte Motivation. Nach einigen Umwegen habe ich mich dann Im Bereich Recht für  das Arbeitsrecht entschieden und  fühle mich damit sehr wohl, weil es wenig mit Paragraphen, sondern mehr mit Menschen zu tun hat. Gleichzeitig hat es mir die Möglichkeit eröffnet über mein Lieblingsthema MUT im Business Vorträge halten zu können und das ist eine großartige Aufgabe. So macht es aus heutiger Sicht auch absolut Sinn, dass ich über viele Jahre praktisch ungefiltert in die Köpfe frustrierter Mitarbeiter und mindestens ebenso frustrierter Unternehmer gucken durfte.“

F.M.:    Ihre Vorträge handeln aber auch über den nötigen MUT im Leben, Sie sind als Autorin tätig, geben zahlreiche  Seminare, führen Prozesse und sind alleinerziehende Mutter zweier Töchter. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Christina Linke: „das geht mittlerweile sogar sehr leicht. Ich liebe das, was ich tue und empfinde es nicht als Arbeit. Viele Jahre war ich durch die Tätigkeit im Arbeitsrecht immer nur damit konfrontiert, wie demotiviert und mutlos die Menschen in Unternehmen sind. Heute kann ich Menschen durch meine Vorträge dazu bewegen, das zu tun, was für sie und für das Unternehmen besser und sogar profitabler ist. Meine Töchter unterstützten das alles sehr, weil sie sehen, wie gut mir diese Tätigkeit tut und sie selbst ein völlig  anderes Bewusstsein für ihre Zukunft bekommen.“

F.M.:    In der Öffentlichkeit und den Medien existiert insbesondere das Bild des ausgebrannten, depressiven Managers. Was würden Sie diesen Managern raten?

Christina Linke: „richtig, das ist ein realistisches Bild, das in den Medien gezeichnet wird. Ich erlebe viele Manager, die sich für alles zuständig fühlen, nichts delegieren können, also viel zu viel arbeiten. abends müssen sie sich mit  Alkohol runter  und morgens mit 3 doppelten Espresso wieder hochfahren. Hier hilft nur ein drastischer Schnitt, der oftmals unfreiwillig durch einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Burnout erfolgt. Es geht natürlich aber auch anders und zwar durch einen freiwillig gewählten Schritt. Der erste und entscheidende Schritt liegt bereits darin, dass man diesen Zustand erkennt und vor allem anerkennt. Das ist MUT pur. Insbesondere für Männer. Die weiteren Schritte ergeben sich meist von selbst, wenn man den ersten Stein ins Rollen gebracht hat. Es ist oftmals nicht erforderlich den Beruf zu wechseln, nicht einmal das Unternehmen. Erfahrungsgemäß liegt es eher selten an den Unternehmen an sich. Deshalb ist ein Wechsel des Unternehmens auch nicht die Lösung. Es ist im Gründe wie bei einer Scheidung: man nimmt die Probleme immer mit. Also kann man sie besser im hier und jetzt lösen. Patentlösungen gibt es  nicht, aber eines ist sicher: in dem Augenblick, indem man die Startlinie überquert, um aktiv etwas zu ändern, wird alles anders.“

F.M.:    vielen Dank für diesen ersten Eindrücke und den speziellen und ungewöhnlichen Blickwinkel einer Rechtsanwältin jenseits von Paragraphen und juristischen Einschätzungen. Das macht mich persönlich neugierig im Rahmen Ihrer nächsten Vorträge mehr davon zu erfahren.

Christina Linke: „Dank an Sie Herr Merländer: MUT zu Berufung statt Beruf.“

Christina Linke
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